Cannabis und Nutzpflanzen: Pflanzendüfte einordnen

04.07.2024

Pflanzen geben flüchtige Verbindungen an ihre Umgebung ab. Manche dieser Stoffe können das Verhalten von Insekten beeinflussen. Daraus entsteht die Frage, ob eine Pflanze benachbarte Nutzpflanzen vor bestimmten Schädlingen schützen kann. Für eine belastbare Antwort sind konkrete Untersuchungen erforderlich.

Pflanzendüfte als chemische Signale

Insekten können Duftstoffe bei der Orientierung nutzen. Je nach beteiligter Pflanzen- und Insektenart können solche Signale anziehend, abschreckend oder überlagernd wirken.

Auch Cannabis bildet verschiedene flüchtige Pflanzenstoffe. Zu seinen untersuchten Terpenen gehören beispielsweise Myrcen, Limonen und Caryophyllen. Ihre Anwesenheit allein belegt jedoch keinen Schutz benachbarter Nutzpflanzen.

Mehr über diese Stoffgruppe erfährst du in unserem Beitrag über Terpene.

Ein Forschungsbeispiel mit Tomaten und Tagetes

Conboy und Kollegen untersuchten 2019 in Gewächshausversuchen, wie sich die Nachbarschaft von Studentenblumen, botanisch Tagetes patula, auf die Gewächshaus-Weiße Fliege an Tomaten auswirkte.

In einem Versuch entwickelte sich die Schädlingspopulation bei den gemeinsam gewachsenen Pflanzen langsamer. Weitere Untersuchungen befassten sich mit Limonen als Bestandteil der abgegebenen Duftstoffe.

Wurden die Tagetes erst bei bereits starkem Befall hinzugefügt, war der beobachtete Effekt deutlich geringer. Das Ergebnis zeigt damit auch, wie wichtig die jeweiligen Versuchsbedingungen sind.

Was sich aus einem solchen Ergebnis ableiten lässt

Die Studie liefert Erkenntnisse zu einer bestimmten Pflanzenkombination und einer bestimmten Insektenart. Sie untersuchte Tagetes und Tomaten, nicht Cannabis als schützende Nachbarpflanze.

Dass zwei Pflanzen einen gemeinsamen Duftstoff bilden, macht ihre Wirkungen im Garten nicht automatisch gleich. Ebenso beantwortet ein Laborversuch mit einer einzelnen Verbindung eine andere Frage als ein Versuch mit lebenden Pflanzen.

Wissenschaftliche Aussagen vergleichen

Bei Berichten über natürliche Schädlingsabwehr helfen folgende Fragen:

  • Untersuchungsgegenstand: Wurde eine ganze Pflanze, ein Extrakt oder eine einzelne Verbindung untersucht?
  • Zielorganismus: Auf welche Insektenart bezieht sich das Ergebnis?
  • Versuchsumgebung: Fand die Untersuchung im Labor, Gewächshaus oder Freiland statt?
  • Gemessener Effekt: Ging es um das Verhalten einzelner Insekten, die Populationsentwicklung oder tatsächliche Pflanzenschäden?

Diese Unterschiede sind entscheidend, bevor aus einem Forschungsergebnis eine allgemeine Empfehlung wird.

Pflanzenvielfalt differenziert betrachten

Begleitpflanzungen können unterschiedliche Funktionen erfüllen. Die University of Minnesota beschreibt beispielsweise die Nutzung des verfügbaren Raums sowie Beziehungen zwischen Pflanzen und Insekten.

Welche Effekte auftreten, hängt von der jeweiligen Kombination und den Standortbedingungen ab. Weitere Hintergründe findest du in unserem Beitrag über Begleitpflanzen.

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Quellen und weiterführende Informationen

Dein AUTOMATICFLOW-Team

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